Vor einigen Nächten erschien mir der babylonische Gott Marduk im Traum und befahl mir, eine neue Religion zu schaffen, die ihn (und nur ihn) ehrt.

Nun gut, wir leben in Deutschland. Ich darf mich hier vor jedem Götzen niederwerfen, der mir am besten geeignet scheint. Also, los geht’s!

1.: Von nun an muss ich, bei jedem Besuch im Schwimmbad, eine Ziege in das Wasser, das meinen Körper zärtlich umhüllt, ausbluten lassen. Denn das verlangt Marduk. Wehe dem, der mich daran hindern will! Religionsfreiheit!

2.: Von nun an werde ich eine Sondersteuer für mich und meine Familie erheben, weil ich der auserwählte Obermotz-Priester des Marduk bin. Also, her mit 5% eures Einkommens! Das ist ja auch nicht viel, ihr werdet es kaum merken!

3.: Frauen müssen sich zukünftig die Haare blau färben, weil es Marduk gefällt.

4.: Ehebruch wird mit sofortigem Werfen der ehebrüchigen Frau in einen aktiven Vulkan geahndet. Ehebrüchige Männer bekommen einen Klaps auf die Schulter, begleitet von den Worten: „Na, haste dich erwischen lassen, Blödmann?“ (Mag ungerecht erscheinen, aber so ist das in unserer Religion nun einmal. Da wird mit zweierlei Maß gemessen, und was im GG über die Gleichbehandlung von Mann und Frau steht, gilt in manchen Religionen eben nicht. Religionsfreiheit über alles!)

5.: Beleidigungen meines Glaubens und das Äußern von Zweifeln an der Rechtmäßigkeit meiner Priesterschaft müssen zwingend sofort auf das Schlimmste bestraft werden.

6.: Fragen, die die Gläubigen an Marduk richten, werden von mir beantwortet. Zu diesem Zweck deponiert man eine Tafel Schokolade in der Opferschale und wirft sich demütig vor meine Füße. Ich werde dann telepathisch mit Marduk Kontakt aufnehmen und die Frage mit ihm klären. Zeichen von intensivem Kontakt mit Marduk sind Sabbern, laut donnernde Flatulenzen so wie grundloses Kichern.

7.: Was mir Marduk sagt, gilt immer, für alle Menschen und für alle Zeiten. Mit Ausnahme von Sonntagen, dritten Samstagen des Monats und Tagen, an denen ich keinen Sex hatte. Aussagen, die ich an solchen Tagen getätigt habe, gelten vom Grundsatz her, in der Praxis jedoch nicht. Außer, wenn der Mond im Wassermann steht, dann gelten sie uneingeschränkt für alle, die über 80 sind und Schwimmhäute zwischen den Zehen haben.

8.: Da ich der Oberpriester von Marduk bin, gelten für mich viele Ausnahmeregelungen. Daher ist es die Pflicht eines jeden Gläubigen, mir seine hübscheste Tochter zu überlassen. Auch die Ehefrauen, die noch gut in Schuss sind, müssen mir ab und zu zugeführt werden, damit ich ihnen von der Herrlichkeit Marduks erzählen kann *sabber*.

9.: Sex mit Tieren ist erlaubt, jedoch nur mit Elefanten. Die Elefanten müssen dabei zwingend ein Kondom benutzen.

10.: Sex mit Kindern ist komplett verboten. Das rituelle Abhacken der Genitalien von Männern, die eine Vereinigung mit Kindern wünschen, wird an jedem zweiten Freitag des Monats nach den Opferzeremonien zelebriert.

11.: Unser Gottesdienst findet traditionell in der Nacht statt. Das Rufen zu dieser Zeremonie muss durch laute Technomusik erfolgen, die aus einem Van mit riesigen Lautsprechern dröhnt. Jede Nacht zwischen 2:15 Uhr und 3:45 Uhr wird dieser Bus durch jeden Stadtbezirk fahren und Scooters „Hyper, Hyper“ abspielen, wobei die Worte „Hyper, Hyper“ natürlich durch „Marduk, Marduk“ ersetzt werden.

12.: Kleidung: Marduk mag es fröhlich und bunt. Deswegen müssen Gläubige wild karierte Hosen, pinke Krawatten und Hawaiihemden tragen (letzteres wird Jürgen von der Lippe hoffentlich freuen). Bei Frauen genügt ein Bikini (*lechz*), im Winter unter einem Mantel (bin ja kein Unmensch).

13.: Verbreitung: Marduk ist ein geselliger Gott. Er mag es, möglichst viele Gläubige um sich zu scharen. Es ist daher Pflicht jedes Gläubigen, jeden Tag irgendwo zu klingeln, um über Marduk zu reden. Auf der Straße empfiehlt es sich für die Gläubigen, Ungläubigen ein Bein zu stellen, um sie am Weitergehen zu hindern. Am Boden liegend, mit schmerzverzerrtem Gesicht, bieten sie die besten Konvertierungsmöglichkeiten. Rufe wie „sind Sie bescheuert?!“ gilt es möglichst schnell zu unterbinden, indem man ihnen ein Stück Marduk-Vollmilchschokolade in den Mund schiebt, um dann sofort mit der Konvertierung zu beginnen. Ruhe geben darf man erst, nachdem der Ungläubige ein Abo über die monatlich erscheinende Zeitung „Marduks Ruf“ abgeschlossen hat und sich im Tempel des Marduk ein Ohr hat entfernen lassen. Dazu mehr im nächsten Punkt.

14.: Eintritt/Austritt. Aus Marduks Glauben auszuscheiden, ist nicht möglich. Beim Eintritt in die herrliche Welt des Marduk wird zum Zeichen der Zugehörigkeit ein Ohr entfernt, um an Van Gogh zu erinnern. Immerhin ein großer Künstler und gewiss der erste Anhänger des Marduk. Zudem ermöglicht die Entfernung, kritische Stimmen und Bitten, man möge aus diesem „unsinnigen und bekloppten Verein“ wieder austreten, zu ignorieren. In diesem Falle sagt man einfach „auf dem Ohr bin ich taub.“  Die Entfernung hat viele Vorteile: Anhänger des Marduk erkennen sich auf offener Straße, es genügt ein Knopf im Ohr, um Musik zu hören und Mittelohrentzündungen sind nur noch halb so schlimm. (Wir haben auch spezielle Halterungen für Brillenträger. Marduk denkt an alles. Edler, allwissender Marduk.)

15.: Zeremonien: Der Gottesdienst zu Ehren Marduks sieht Orgien vor, die vom Oberpriester (mir) durchgeführt werden (*lechz*). Dazu reihen sich alle weiblichen Gemeindemitglieder links vorm Altar auf und gehen nach Vollzug auf der rechten Seite wieder aus dem Tempel und nach Hause. Im Zuschauerraum sind nur Männer und Bierfässer erlaubt. Sollte mir eine Frau besonders zusagen, muss ihr Mann sie mir automatisch abtreten. Ich bin nun mal der Oberpriester auf Lebenszeit. Nach der Orgie werden zu Ehren Marduks die Bierfässer geleert und ein paar Tüten Chips gegessen. Die Frauen machen derweil zu Hause das Frühstück (jedenfalls die, die noch laufen können. Hähä.) Unfair? Ja, aber Marduk hat Frauen und Männer nun einmal unterschiedlich geschaffen, und Frauen haben eben andere Aufgaben als Männer. Glück für uns Männer, Pech für die Frauen. Wie Marduk die Seelen aufteilt, in einen männlichen oder weiblichen Körper, hat er in seiner Weisheit nun einmal entschieden. Vielleicht im Würfelverfahren. Das ist ja nicht mein Problem, ich bin ja nur sein Sprachrohr.

16.: Nach dem Ableben: Wenn ein Anhänger des Marduk stirbt, kommt er direkt in Marduks rockigen Vergnügungspark. Dort kann man so viel Autoscooter fahren, wie man nur will. Pommes und Zuckerwatte sind gratis, genauso der Eintritt für das Zelt der bärtigen Lady. Frauen gibt es auch, und zwar drei für jedes Jahr der Zugehörigkeit zum Orden des Marduk. Schlecht für Neu-Konvertierte, aber sollten sie beim Abschluss eines Abos gestorben sein (vielleicht an einer Kopfverletzung beim Sturz), bekommen sie eine Prominente nach Wunsch als kleine Wiedergutmachung. Ungläubige bekommen im Gegenzug drei Schwiegermütter für jedes Jahr, das sie Marduk geleugnet haben. Dafür gibt es dann keine Hölle. Frauen bekommen ihren Ehemann zurück. Dafür gibt es dann auch keine Hölle.

17.: Allgemein: Jeder Gläubige muss eine Statue des Marduk kaufen, im Flur aufstellen und sich jedes Mal, wenn er daran vorbeigeht, demütig davor niederwerfen. Im Flur deshalb, weil jeder die Werbeunterbrechungen im Abendprogramm  nutzt, um auf’s Klo zu gehen. Jeder. Auf diese Weise wird Marduk ihm gebührend mehrfach täglich geehrt (bei Durchfallerkrankungen gibt es Ausnahmeregelungen).

18.: Statuen des Marduk sind im Online-Shop für 599, 99 € (zzgl. Versand) zu erwerben.

Heil Marduk, dem Segensbringer!

 

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