Oder: Das Problem mit dem Ismus

Faschismus, Exremismus, Rassismus, Terrorismus, Nationalsozialismus, Kommunismus, Islamismus … es würde eine lange Liste werden.

Jede Generation verfolgt verbissen ihren Ismus. Man denke nur an die Kommunistenjagd der USA, bei der sich Filmschaffende und dergleichen rechtfertigen und ihre Ankläger überzeugen mussten, keine Kommunisten zu sein.

Es war damals ein Schimpfwort. Außerdem gab es die scharf gestellte Frage: „Sind Sie etwa Kommunist?“ Sogar das Erwägen der Einführung einer gesetzlichen Krankenversicherung wurde als kommunistisch verunglimpft.

Dieser Tage lautet die Frage etwas anders: „Sind Sie etwa Rassist?“, erklingt es argwöhnisch, sobald man in Deutschland nur das geringste Unbehagen gegen die derzeitige Politik äussert.

„Natürlich nicht“, beeilt man sich dann zu sagen, hastig, mit errötenden Wangen und unbehaglich von einem Fuß auf den anderen tretend, während die Augen des Gegenübers sich mehr und mehr mißtrauisch verengen.

Von nun an wird jede Äusserung auf die Goldwaage gelegt, und wehe man führt diese Unterhaltung an einer Pommesbude und bestellt ein Zigeunerschnitzel. Dann ist man gesellschaftlich tot.

„Kind, es heißt nicht mehr Negerkuss, sondern Schaumkuss, SCHAUMkuss! Hast du das verstanden? Merk dir das gefälligst!“, wird in deutschen Kinderzimmern eingeschärft, denn in der Schule wird gut aufgepasst, was das Kind so von sich gibt. Genauso wie damals in der DDR, wo mit scheinbar harmlosen Fragen nachgeforscht wurde, ob heimlich Westfernsehen im heimischen TV lief statt Aktueller Kamera oder der Schwarze Kanal von Sudel-Ede.

Wer nicht regierungskonform denkt, wird auch von seinen Idolen auf Linie gebracht. Zerknirscht lässt man sich für sein Unbehagen darüber, dass die Ehefrau im lokalen Discounter als „ungläubige Hure“ beschimpft wird (selbst erlebt) von seinem Lieblingsstar rügen. Hitzige Diskussionen auf Facebookseiten bekannter Schauspieler, Comedians, Musikern enden immer damit, dass das Wort „Rassismus“ fällt. Auch, wenn dieses Wort unsinnig ist, denn meistens wird eine Religion kritisiert, die mit Andersgläubigen sehr rigoros verfährt. Und eine Religion ist keine Rasse.

Da schämen sich deutsche Stars, Deutsche zu sein, weil hier ja so viel „braunes Pack“ herumläuft und Plakate schwenkt. Aber wenn ein Flüchtlingsheim in einer noblen Gegend entstehen soll, in der Reiche wohnen, ist Schluss mit der Toleranz und die Willkommenskultur sucht im Laufschritt das Weite.

Dennoch ist heute jeder, der dieser Religion kritisch gegenübersteht, ein Rassist oder Nazi. Also quasi ein RassistenNazi, das schlimmste menschliche Wesen, das es gibt. Selbst wenn man Konvertiten kritisiert, also Deutsche mit langen blonden Haaren oder Zottelbärten, die mal Udo oder Klaus oder Gerda hießen, bevor sie zu Murat, Abdul oder Aysche wurden. Alles ist Rassismus pur. Islamkritik: Rassismus. Nicht als Ungläubiger, Schweinefresser oder Hure beschimpft werden wollen: Rassismus. Mit Merkels Politik nicht einverstanden sein: Rassismus. AfD wählen: Rassismus gepaart mit Nationalsozialismus plus Dummheit mit einer Prise reiner Bösartigkeit. Während der WM/EM mit deutschen Fahnen wedeln: Rassismus. Während des Ramadan essen: Rassismus. Für seine Steuern etwas haben wollen: Rassismus. Den Nachrichten keinen Glauben mehr schenken: Rassismus. Für Obdachlose das Gleiche fordern wie für Asylanten: Rassismus. Atmen: Rassismus.

Ach ja: Und ganz doll dumm ist man dann auch noch.

Da stellt sich die Frage, wann Dummheit auch noch unter Strafe gestellt wird. Rassismus ist bereits ein Straftatbestand, Volksverhetzung auch. Wie sich das mit der Meinungsfreiheit verträgt, entzieht sich mir. Warum Politiker öffentlich große Teile des Volkes als „Pack“ „Mischpoke“ und den Dalai Lama als Führer einer Gelbmützensekte beschimpfen dürfen, letzteres ist auch eine rassistische Äußerung, verstehe ich ebenfalls nicht. Aber ich darf mich fragend am Kopf kratzen, noch ist es ja erlaubt, doof zu sein.

Dass im Grundgesetz die Gleichbehandlung aller Menschen in diesem Land festgesetzt ist, ganz gleich welcher Hautfarbe, Volkszugehörigkeit, Religion und welchen Geschlechts, scheint keinerlei Geltung mehr zu haben. Jedenfalls nicht, wenn man auf der „falschen“ Seite steht. Und momentan gibt es in Deutschland zwei Lager, in die alle Bürger eingeteilt werden: Rechts und Links. Es gibt nur diese beiden, keine Grauzonen, nichts. Und wehe man wird nach „rechts“ abgeschoben, da macht das Leben nicht mehr viel Freude. Und es gibt nie wieder ein Zurück. Xavier Naidoo kann buchstäblich ein Lied davon singen. (Hatte der nicht auch Migrationshintergrund? Ach, egal. Wer die vorgegebene Meinung nicht teilt, ist eben RassistenNazi, egal wo er herkommt. Das ist die Toleranz der Intoleranz.)

Früher war es völlig in Ordnung, eine eigene Meinung zu politischen Themen zu haben. Es gab dann zwar hitzige Diskussionen, aber man respektierte die Meinung eines anderen und schloss ihn nicht gleich als RassistenNazi aus der Gesellschaft aus und sprach ihm oder ihr auch nicht die Lebensberechtigung ab.

Heutzutage ist die Hexenjagd wieder eröffnet. Ketzerische Äußerungen werden hart bestraft, unbequeme Kommentare auf öffentlichen Seiten gelöscht (Meinungsfreiheit, wir vermissen dich …). Es kann nicht geben, was es nicht geben darf. In ganz Europa gibt es nur noch gute Menschen und RassistenNazis: Menschen, die schrecklich fehlgeleitet oder einfach bösartig und/oder dumm sind. Die entweder zurechtgerückt werden müssen, oder …tja, wie war das Anno 1933 nochmal …? Wäre das nicht der nächste logische Schritt…?

Sollten Merkel und Co die Buhmänner der Gesellschaft eines Tages tatsächlich in Umerziehungslager stecken, aus denen sie nur mit den Füssen voran wieder rauskommen, werden die pickepackevoll sein. Ich kenne bis auf zwei Ausnahmen nur RassistenNazis. Vielleicht werde ich ja zum Denunzianten. Es kann nicht mehr lange dauern, bis Prämien auf Hinweise ausgesetzt werden, die zur Ergreifung eines RassistenNazis führen. Da verdiene ich mir eine goldene Nase und lebe auf einer schönen Südseeinsel in dem beruhigenden Bewusstsein, etwas richtig Gutes, Tolles für die Menschheit getan zu haben. Was kann es Besseres geben?

„Hallo, Rassismus-Polizei? Mein Nachbar, die blöde Sau, hat eben beim Heckenschneiden gesagt, er würde gerne abends ein Zigeunerschnitzel essen. Außerdem hielt der asoziale Nazi-Abschaum die Heckenschere in der rechten Hand! Wann holen Sie das Dreckschwein endlich ab?“

Mal sehen, auf welchen Ismus sich die nächste Generation stürzt. Momentan wüsste ich nicht, was auf der Liste noch fehlt. Vielleicht Orgasmus? Aber da ist kein IS drin. Organismus? Das dürfte die beste Lösung sein. Die Menschheit löscht sich im Namen der Bekämpfung eines Ismus selbst aus. Schon hat der gebeutelte Planet mit seinen von uns fast ausgerotteten Tierarten und der verseuchten Natur endlich Ruhe.

Ich gehe mir schnell einen Strick kaufen, ich alter Trendsetter, ich.

 

(c) Lechyd Zdravi. All Rights reserved.

 

 

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